Fohlenmedizin

Die Fohlengeburt

Sofern während der Geburt keine Komplikationen auftreten, sollten Fohlen innerhalb der ersten 12 Lebensstunden tierärztlich untersucht werden. Folgende Punkte zur Fohlengeburt sollten Sie als Züchter beachten:

 

  • mittlere Trächtigkeitsdauer 336 Tage (320 - 360 Tage normal)
  • Geburtsanzeichen variabel:
    • Vergrößerung des Euters (durch Milcheinschuss, meist 2-4 Wochen vor der Geburt)
    • Einfallen der Beckenbänder, Hervorstehen der Schweifrübe, Verlängerung der Schamspalte (meist einige Tage vor der Geburt)
    • Harztropfen (meist 1-4 Tage vor Geburt, manchmal bereits Abgang von Milch)
    • Unruhe, kolikartige Symptome (meist unmittelbar vor Geburt), sollten Sie sich unsicher sein ob es sich um eine Kolik handelt oder um erste Anzeichen für die beginnende Geburt, informieren Sie Ihren Tierarzt
  • Dauer der Geburt: ca. 2-3 Stunden; Geburtsprobleme nur in 4% der Fälle
    • Öffnungsstadium:
      • Einsetzen der Wehen, beginnende Kontraktionen der Gebärmutter und passive Weitung des Geburtskanales
      • oft kolikartige Symptome (Unruhe, Schwitzen)
      • Ende der Phase durch Platzen der Fruchtblase gekennzeichnet
    • Austreibungsstadium:
      • Dauer der Phase meist nur etwa 10 Minuten (bei verzögertem Austritt bitte umgehend Tierarzt informieren),
      • normale Lage des Fohlens beurteilen (Vorderfüße leicht versetzt und nach unten zeigen zuerst, als nächstes erscheinen die Nüstern, Kopf, Hals, Schultern etc.
      • Atmung des Fohlens setzt bei Kopfaustritt ein (ggf. Fruchtblase eröffnen)
      • Nabelschnur reißt meist von selbst ab (nicht schneiden!)
    • Nachgeburtstadium:
      • Nachgeburt geht meist direkt nach Geburt ab, kann aber auch bis zu 3 Stunden dauern
      • nicht an der Nachgeburt ziehen (Gefahr von Blutungen)
      • evtl. Hochbinden (nicht am Schweif, sondern an der Nachgeburt selbst - so bleibt ein leichter Zug durch das Eigengewicht der Nachgeburt erhalten), damit die Stute nicht darauftritt; Nachgeburt für die tierärztliche Untersuchung aufbewahren
  • Fohlen:
    • Befreiung der Atemwege von Schleim (Ausstreichen der Nüstern)
    • Desinfektion des Nabelstumpfes (1%ige Jodlösung oder 0,5%ige Chlorhexidinlösung)
    • Verhalten:
      • 5 Min.: Anheben des Kopfes, Saugreflex
      • 15 Min.: Brustlage, erste Aufstehversuche
      • 30 Min. bis 1,5 Std.: Fohlen steht und sucht Euter
      • 1,5 bis 2,5 Std.: Fohlen trinkt
    • Darmpech (Mekonium): Angang beginnt in den ersten 8 Stunden; evtl. Eingabe von Klistier (v.a. bei Hengstfohlen sinnvoll)
    • nach 24 Std.: Milchkot und normaler Urinabsatz
    • Kolostrum: erste Stutenmilch mit hohem Anteil an Antikörpern (IgG)
      • Fohlen kommen ohne spezifisches Immunsystem zur Welt -> Aufnahme von Kolostrum essentiell!
      • auf Wiederholungsimpfungen der Mutterstute während der Trächtigkeit achten
      • Qualität des Kolostrums und Aufnahmekapazität der Darmschranke in den ersten 12 Std. am höchsten; nach 22 Std. ist keine IgG-Resorption mehr möglich
      • bei Verdacht auf mangelhafte Aufnahme: SNAP-Test; evtl. Plasmatransfusion

1-2-3 Regel:  

Fohlen steht nach 1 Stunde,

Fohlen trinkt nach 2 Stunden

Darmpech /Nachgeburt ist spätestens nach 3 Stunden abgegangen


Gliedmaßenfehlstellungen

 

Viele Fehlstellungen lassen sich konservativ behandeln. Bitte beachten Sie, dass manche Wachstumsfugen bereits sehr schnell schließen und so Eingriffe und Behandlungen oft nur in einem sehr kurzem Zeitfenster möglich sind.

 

Mögliche Fehlstellungen sind:

  • Achsfehlstellungen
    • X-being (Valgus)
    • O-beinig (Varus)
  • Rotationsfehlstellungen
  • Sehnenfehlstellungen
    • Durchtrittigkeit (Schwäche des Beugeapparates)
    • Bockhuf (Beugesehnenkontraktur)